Warum Sturzprophylaxe so wichtig ist

Stürze im Alter – warum sind sie so gefürchtet?

Es gibt vor allem zwei negative Folgen eines Sturzes: die physischen, also wenn ich mir tatsächlich etwas breche und die psychischen, meist eine einschränkende Angst. Bei vielen älteren Menschen bleibt nach Stürzen, auch wenn nichts passiert, die Angst zurück. Diese Angst schränkt sie in ihrer Mobilität stark ein. Sie trauen sich nicht mehr auf die Straße, weil sie denken, wenn ich hinfalle, breche ich mir sofort etwas. Kinder fallen ständig hin, aber das hat keine Konsequenzen. Erwachsene Menschen bewegen sich geübt und vermeiden Gefahrensituationen. Aber Ältere fallen – weil sie durch eine allgemeine Gebrechlichkeit eingeschränkter sind, weil sie schlechter sehen, hören und Kreislauf- und Stoffwechselprobleme hinzukommen.

Und als Konsequenz bewegen sich Ältere aus Angst vor Stürzen weniger? Genau. Die Mindermobilisation führt in eine Spirale nach unten. Wer sofort wieder losmarschiert, verhindert dass er überhaupt in dieser Abwärtsspirale landet. Wer sich nicht bewegt, hat auch schwächere Knochen. Wenn ein Knochen nicht belastet wird, dann baut er sich ab. Durch Bewegung bekommt der Bewegungsapparat Impulse, dass er benötigt wird und entsprechend werden Knochen und Gelenke vom Körper ernährt.

Ist Bewegung die einzige sinnvolle Maßnahme? Nein, ganz wichtig ist auch eine ausgewogene Ernährung: Obst und Gemüse, Milch, Fleisch und kalziumreiche Produkte.

Was gehört sonst noch zur Sturzprophylaxe? Sie sollten die Tiefenwahrnehmung des Körpers schulen: dazu gehören Reflexe und die Sensoren in den Gelenken, die dafür sorgen, dass ich nicht umfalle, wenn ich auf einem Bein stehe. Diese Wahrnehmung baut im Alter ab. Aber das kann man wunderbar trainieren.

 

DAS ÜBUNGSPROGRAMM UND TÄGLICHES FITNESSTRAINING SOLLTE WIE ZÄHNEPUTZEN EINE REGELMÄSSIGE ROUTINE DES ALLTAGS WERDEN

  • Sie sollten das Übungsprogramm, welches Sie in der Einzelbehandlung oder Gruppe erlernt haben, 3mal/Woche regelmäßig ausführen, wobei Sie die Übungen über den Tag verteilen können.
  • Sie müssen nicht alle Übungen bei einer Übungseinheit durchführen, setzen Sie beim Trainieren jeweils verschiedene Schwerpunkte.
  • Gönnen Sie sich Pausen zwischen den einzelnen Übungen, in denen Sie ruhig und tief durchatmen. Diese Pausen können im Sitzen erfolgen.
  • Je länger und kontinuierlicher Sie Ihr Übungsprogramm durchführen, je einfacher wird Ihnen die Ausführung fallen. Anfänglich mögliche Beschwerden wie z.B. Steifigkeitsgefühl in der Muskulatur nach den Übungen verschwinden mit zunehmender Kraft und Fitness.
  • Sorgen Sie für Ihre Sicherheit! Bei den Gleichgewichtsübungen sollte ein feststehender Gegenstand (Sessellehne, Geländer) in greifbarer Nähe sein. Bei Schwindel sollten Sie sich hinsetzen.
  • Nach regelmäßigem Training (> 3 Monate) kann eine deutliche Reduktion des Sturzrisikos (in verschiedenen Studien wird zwischen 30 und 50% angegeben) erwartet werden. Der Erfolg ist abhängig vom Alter und den vorhandenen körperlichen Einschränkungen.

 

GEHTRAINING ZUR VORBEUGUNG VON STÜRZEN IM ALTER

  • Vorwärts, rückwärts, seitwärts, mit Überkreuzschritten gehen
  • auf einer Linie laufen
  • Steigen über kleine Hindernisse
  • Gehen auf unebenem Untergrund wie Matten, Rasen, Weide, Waldweg

 

AUFSTEHEN NACH EINEM STURZ

  • Auf dem Gesäß zu einem festen Gegenstand ( Sessel, Sofa) rutschen
  • Auf die Knie drehen
  • Mit beiden Händen aufstützen und langsam aufstehen
  • Auf den Sessel oder das Sofa setzen (abwarten bis Schrecken + Schwindel vorbei ist)
  • Wenn das Aufstehen nicht alleine möglich ist, immer Hilfsperson rufen bzw. die Klingelanlage verwenden

 

MASSNAHMEN ZUR STURZPROPHYLAXE

  • Sehfähigkeit kontrollieren
  • Abklärung und Therapie von Erkrankungen wie z. B. Schwindel
  • Gute Lichtverhältnisse, evtl. mit Bewegungsmelder
  • Rufanlage griffbereit haben – Unterstützung anfordern
  • Hindernisse beseitigen
  • Haltegriffe anbringen
  • Angepasste, praktische und sichere Kleidung
  • Hilfsmittel anwenden (Gehstock, Gehwagen…)
  • Antirutschmatten verwenden
  • Hüftprotektoren anlegen
  • Medikation überprüfen lassen

Informieren Sie sich bei unseren Pflegekräften und Betreuungskräften zu den Angeboten in der Einrichtung. Ebenso finden Sie Angebote zur Gymnastik in unserer Tagespflege.

 

Sturzprohylaxe